Ratgeber
Dachziegel berechnen: Stückzahl pro m² Dachfläche
Erst die geneigte Dachfläche, dann der Ziegelbedarf je Quadratmeter, zuletzt der Zuschlag. Bei einer Frankfurter Pfanne rechnest du mit rund 10 Stück je Quadratmeter.
Kurz gefasst
Ein Satteldach über 8 mal 10 Metern Grundfläche mit 35 Grad Neigung hat 97,7 Quadratmeter Dachfläche. Mit 10 Ziegeln je Quadratmeter sind das 977 Stück, mit 5 Prozent Bruchreserve 1.026. Dazu kommen 34 First- und 59 Ortgangziegel.
Ziegel werden nach Stück verkauft, das Dach aber in Quadratmetern gemessen. Zwischen beiden liegen zwei Umrechnungen, bei denen gern etwas verrutscht: die Dachneigung und die Deckfläche des einzelnen Ziegels.
Faustwert für die Frankfurter Pfanne. Biberschwanz in Doppeldeckung braucht dagegen rund 36 Stück.
Typischer Bereich über alle Modelle. Das Format entscheidet, nicht der Preis oder das Material.
Zuschlag für Verschnitt und Bruch. Bei Gauben, Kehlen und Dachfenstern eher 7 bis 10 Prozent.
Wie rechnest du die Ziegelmenge aus?
Die Rechnung läuft in drei Schritten.
Dachfläche in m² = Grundfläche in m² ÷ cos(Neigungswinkel)
Stückzahl = Dachfläche in m² × Ziegel je m²
Bestellmenge = Stückzahl × (1 + Zuschlag)
Der erste Schritt ist der, der am häufigsten vergessen wird. Ein 35 Grad geneigtes Dach ist rund 22 Prozent größer als die Fläche, die es überdeckt. Wer mit der Grundfläche rechnet, bestellt ein Fünftel zu wenig. Die Herleitung dazu steht im Beitrag Dachfläche berechnen.
| Dachneigung | Faktor auf die Grundfläche | Dachfläche bei 80 m² Grundfläche |
|---|---|---|
| 20 Grad | 1,064 | 85,1 m² |
| 25 Grad | 1,103 | 88,3 m² |
| 30 Grad | 1,155 | 92,4 m² |
| 35 Grad | 1,221 | 97,7 m² |
| 40 Grad | 1,305 | 104,4 m² |
| 45 Grad | 1,414 | 113,1 m² |
| 50 Grad | 1,556 | 124,5 m² |
Wie viele Ziegel je Quadratmeter braucht welcher Typ?
Die Stückzahl folgt direkt aus dem Format. Kleine Ziegel überlappen häufiger, deshalb gehen mehr auf die Fläche.
| Ziegeltyp | Deckbreite | Decklänge | Stück je m² |
|---|---|---|---|
| Biberschwanz, Doppeldeckung | 15,5 cm | 18 cm | rund 36 |
| Hohlpfanne, S-Pfanne | 22,5 cm | 28 cm | rund 16 |
| Flachdachziegel | 21 cm | 33 cm | rund 14 |
| Doppelmuldenfalzziegel | 22 cm | 34 cm | rund 13 |
| Reformpfanne | 26 cm | 32 cm | rund 12 |
| Frankfurter Pfanne | 30 cm | 33,5 cm | rund 10 |
| Betondachstein, Doppel-S | 30 cm | 34 cm | rund 10 |
Die Werte sind Richtwerte. Jeder Hersteller weicht ein paar Millimeter ab, und genau diese Millimeter entscheiden bei 1.000 Stück über eine halbe Palette.
Warum Deckbreite und Decklänge die eigentliche Rechengröße sind
Ein Ziegel ist größer als die Fläche, die er am Ende zeigt. Der Rest verschwindet unter dem nächsten Ziegel. Was zählt, ist das Deckmaß.
Ziegel je m² = 1 ÷ (Deckbreite in m × Decklänge in m)
Für die Frankfurter Pfanne: 0,30 × 0,335 = 0,1005 Quadratmeter Deckfläche. Ein Quadratmeter geteilt durch 0,1005 ergibt 9,95, also rund 10 Ziegel.
Die Decklänge ist keine feste Zahl. Sie hängt von der Lattweite und damit von der Dachneigung ab. Je flacher das Dach, desto größer muss die Überdeckung sein, desto kürzer wird die Decklänge und desto mehr Ziegel brauchst du. Zwischen 45 Grad und der zulässigen Mindestneigung eines Modells liegen schnell 8 Prozent Mehrbedarf.
Die verbindliche Lattweite steht in der Verlegeanleitung des Herstellers. Bei Neigungen unter der Regeldachneigung sind zusätzlich Unterdeckbahnen vorgeschrieben.
Rechenbeispiel: Satteldach 8 mal 10 Meter mit 35 Grad
Wohnhaus, Giebelbreite 8 Meter, Traufenlänge 10 Meter, Neigung 35 Grad, Eindeckung mit Frankfurter Pfanne. Schritt für Schritt.
- Grundfläche: 8 m × 10 m = 80 m²
- Dachfläche: 80 m² ÷ cos 35 Grad = 80 ÷ 0,8192 = 97,7 m²
- Ziegel in der Fläche: 97,7 m² × 10 Stück = 977 Stück
- Mit 5 Prozent Reserve: 977 × 1,05 = 1.026 Stück
- Firstziegel: 10 m ÷ 0,30 m Decklänge = 34 Stück
- Ortgangziegel: 4 Schrägen à 4,88 m = 19,5 m, geteilt durch 0,335 m = 59 Stück
Die Sparrenlänge je Dachhälfte ergibt sich aus der halben Breite: 4 Meter geteilt durch 0,8192 sind 4,88 Meter. Vier Ortgänge, also zwei je Giebelseite, ergeben zusammen 19,5 Meter.
Der Dachüberstand fehlt in dieser Rechnung. Mit 40 Zentimetern an Traufe und Ortgang wächst die Grundfläche auf 8,8 mal 10,8 Meter, also 95 Quadratmeter. Die Dachfläche steigt damit auf rund 116 Quadratmeter und die Stückzahl mit Reserve auf etwa 1.220. Miss deshalb am Bestand immer die tatsächliche Dachfläche, nicht die Hausmaße.
Wie viel Zuschlag brauchst du für Verschnitt, First und Bruch?
Bei einem einfachen Satteldach ohne Einbauten reichen 3 bis 5 Prozent. Jede Störung in der Fläche erhöht den Verschnitt, weil Ziegel geschnitten werden müssen.
- Walm- und Krüppelwalmdach: 7 bis 10 Prozent, wegen der Gratschnitte
- Kehlen, Gauben, Dachfenster: je Einbau rund 1 Prozent zusätzlich
- Bruchreserve fürs Lager: 20 bis 30 Ziegel für spätere Reparaturen
Die Reserve ist kein Luxus. Ziegelmodelle laufen nach zehn bis fünfzehn Jahren aus. Ein Sturmschaden ohne passenden Ersatz bedeutet dann eine sichtbar geflickte Fläche oder eine neue Dachhälfte.
First- und Gratziegel rechnest du getrennt nach laufenden Metern. Übliche Decklängen liegen bei 25 bis 33 Zentimetern, also 3 bis 4 Stück je Meter.
Was wiegt die fertige Eindeckung?
Das Gewicht entscheidet, ob der vorhandene Dachstuhl die neue Eindeckung überhaupt tragen darf.
| Eindeckung | Gewicht je m² | Bei 97,7 m² |
|---|---|---|
| Tonziegel, Pfanne | 40 bis 45 kg | rund 4,2 t |
| Betondachstein | 45 bis 50 kg | rund 4,6 t |
| Biberschwanz, Doppeldeckung | 65 bis 75 kg | rund 6,8 t |
Der Wechsel von Tonziegel auf Biberschwanz bedeutet in diesem Beispiel rund 2,6 Tonnen Mehrlast. Dazu kommen Schnee und Wind. Lass die Tragfähigkeit von einem Statiker oder deinem Dachdeckerbetrieb prüfen, bevor du das Modell wechselst. Diese Prüfung ersetzt keine Rechnung im Netz.
Wie viele Dachziegel brauche ich für 100 Quadratmeter?
Rechne ich mit der Grundfläche oder der Dachfläche?
Wie viele Ziegel passen auf eine Palette?
Kann ich einzelne Ziegel eines alten Dachs nachkaufen?
Muss ich Dachfenster von der Fläche abziehen?
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Verbindlich sind die Verlegeanleitung des Herstellers und das Fachregelwerk des Dachdeckerhandwerks.
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