Ratgeber

Kabelquerschnitt berechnen: Formel, Tabelle und Beispiele

Der Querschnitt ergibt sich aus doppelter Leitungslänge mal Strom, geteilt durch die Leitfähigkeit von Kupfer und den zulässigen Spannungsfall. Alles andere ist Nachschlagen in der Tabelle.

Kurz gefasst

Kupfer hat die Leitfähigkeit 56. Als zulässigen Spannungsfall setzt du 3 Prozent an, bei 230 Volt also 6,9 Volt. Für 30 Meter Zuleitung mit 16 Ampere kommen rechnerisch 2,48 mm² heraus, praktisch verlegst du 4 mm². Der Anschluss selbst gehört in die Hand einer Elektrofachkraft.

Zwei Bedingungen muss ein Kabel gleichzeitig erfüllen: Es darf nicht zu warm werden, und die Spannung darf unterwegs nicht zu stark absacken. Der größere der beiden Werte gewinnt. Diese Seite zeigt beide Wege.

Faustformel für 230 Volt: Querschnitt in mm² = 2 × Leitungslänge in m × Strom in A ÷ (56 × zulässiger Spannungsfall in V). Für ein Gartenhaus mit 30 Metern Zuleitung und 16 Ampere Absicherung rechnest du: 2 × 30 × 16 = 960, geteilt durch 56 × 6,9 = 386,4. Ergebnis: 2,48 mm². Der nächste Normquerschnitt ist 2,5 mm², mit Reserve nimmst du 4 mm².
56 m/(Ohm × mm²)

Faustwert für die Leitfähigkeit von Kupfer. Aluminium liegt bei 35 und braucht dickere Leitungen.

3 Prozent Spannungsfall

Richtwert für Endstromkreise nach DIN 18015-1. Bei 230 Volt sind das 6,9 Volt, bei 400 Volt 12 Volt.

Eine Stufe Reserve

Sicherheitszuschlag: Liegt das Ergebnis knapp unter einem Normwert, nimm den nächstgrößeren Querschnitt.

Welche Formel gilt für den Kabelquerschnitt?

Es gibt drei Varianten, je nach Stromart. Der Aufbau ist immer gleich, nur der Faktor vorne ändert sich.

Gleichstrom: A = 2 × L × I ÷ (56 × Ua)

Wechselstrom 230 Volt: A = 2 × L × I × cos φ ÷ (56 × Ua)

Drehstrom 400 Volt: A = 1,732 × L × I × cos φ ÷ (56 × Ua)

Dabei ist L die einfache Leitungslänge in Metern, I der Strom in Ampere und Ua der zulässige Spannungsfall in Volt. Die Zahl 56 steht für die Leitfähigkeit von Kupfer in Meter je Ohm und Quadratmillimeter. Bei Aluminium rechnest du mit 35.

Der Leistungsfaktor cos φ liegt bei Heizungen, Herd und Beleuchtung bei 1,0. Bei Motoren, Pumpen und Kompressoren setzt du 0,8 bis 0,95 an. Wenn du unsicher bist, rechne mit 1,0, das Ergebnis fällt dann etwas größer aus.

Warum zählt die Leitungslänge doppelt?

Der Strom fließt hin und wieder zurück. Er legt also die doppelte Strecke zurück, und auf beiden Wegen entsteht Widerstand. Deshalb steht bei Gleichstrom und bei 230 Volt eine 2 in der Formel.

Bei Drehstrom ist das anders. Dort verteilt sich der Strom auf drei Außenleiter, die sich gegenseitig als Rückweg dienen. Statt der 2 steht die Wurzel aus 3, also 1,732. Genau das macht Drehstrom bei langen Strecken so attraktiv: Bei gleicher Leistung kommst du mit deutlich weniger Kupfer aus.

Miss die Länge immer am tatsächlichen Kabelweg, nicht in Luftlinie. Ein Erdkabel läuft um Ecken, unter Wegen hindurch und mit Reserve in den Schacht. Aus 22 Metern Luftlinie werden schnell 30 Meter Kabel.

Wie viel Spannungsfall ist erlaubt?

Als Richtwert gilt 3 Prozent für Endstromkreise. Bei 230 Volt sind das 6,9 Volt, bei 400 Volt 12 Volt. Vom Hausanschluss bis zur letzten Steckdose sollten insgesamt nicht mehr als 3 Prozent zusammenkommen, bei sehr langen Wegen wird 4 Prozent toleriert.

Was passiert bei zu viel Spannungsfall? Motoren laufen schwerer an und ziehen mehr Strom, Leuchtmittel flackern, Heizgeräte liefern weniger Leistung. Bei 10 Prozent Spannungsfall sinkt die Heizleistung um rund 19 Prozent, weil die Leistung quadratisch von der Spannung abhängt.

Die Kontrollrechnung geht auch rückwärts. So prüfst du eine bereits verlegte Leitung:

Ua = 2 × L × I ÷ (56 × A)

Beispiel für 2,5 mm² über 30 Meter bei 16 Ampere: 2 × 30 × 16 = 960, geteilt durch 56 × 2,5 = 140. Das ergibt 6,86 Volt, also 2,98 Prozent von 230 Volt. Die Leitung liegt damit knapp innerhalb des Richtwerts.

Rechenbeispiel: Gartenhaus mit 30 Metern Zuleitung

Geplant sind Licht, ein paar Steckdosen und gelegentlich eine Kreissäge. Der Stromkreis wird mit 16 Ampere abgesichert. Schritt für Schritt.

  1. Zulässiger Spannungsfall: 230 V × 3 % = 6,9 V
  2. Zähler der Formel: 2 × 30 m × 16 A × 1,0 = 960
  3. Nenner der Formel: 56 × 6,9 V = 386,4
  4. Querschnitt: 960 ÷ 386,4 = 2,48 mm²
  5. Nächster Normquerschnitt: 2,5 mm²
  6. Kontrolle mit 4 mm²: 960 ÷ (56 × 4) = 4,29 V, das sind 1,86 Prozent

Rechnerisch reicht 2,5 mm² also gerade eben. In der Praxis verlegst du 4 mm² als Erdkabel vom Typ NYY-J. Der Preisunterschied liegt bei rund 1 Euro je Meter, und du hast Reserve für eine spätere Wallbox oder eine Pumpe.

Zweiter Grund für die dickere Leitung: Ein Erdkabel im Boden liegt oft wärmer als angenommen und kann von anderen Leitungen begleitet werden. Beides senkt die Belastbarkeit.

Welcher Querschnitt hält welchen Strom aus?

Neben dem Spannungsfall gibt es die zweite Bedingung: die Strombelastbarkeit. Sie hängt von der Verlegeart ab. Die folgenden Werte gelten für Kupfer, Mehraderleitung im Rohr in der Wand, Verlegeart B2, bei 25 Grad Umgebungstemperatur.

QuerschnittBelastbarkeitÜbliche AbsicherungTypischer Einsatz
1,5 mm²rund 16,5 A16 ALicht, Steckdosen im Raum
2,5 mm²rund 23 A20 ASteckdosenkreise, kurze Zuleitungen
4 mm²rund 30 A25 AGartenhaus, Durchlauferhitzer klein
6 mm²rund 38 A32 AHerd, Wallbox 11 kW
10 mm²rund 52 A50 AUnterverteilung, Wallbox 22 kW
16 mm²rund 69 A63 AHauptleitung zur Unterverteilung

Diese Werte sinken, wenn mehrere Leitungen gebündelt liegen oder es wärmer als 25 Grad ist. Häufungsfaktor und Temperaturfaktor stehen in der DIN VDE 0298-4. Bei sechs gebündelten Leitungen bleiben zum Beispiel nur noch rund 57 Prozent der Belastbarkeit übrig.

Merke: Rechne beide Bedingungen und nimm den größeren Querschnitt. Bei kurzen Wegen entscheidet die Belastbarkeit, ab etwa 20 Metern meist der Spannungsfall.

Warum brauchen 12 Volt so dicke Kabel?

Weil die 3 Prozent auf eine viel kleinere Spannung angewendet werden. Ein Beispiel aus dem Wohnmobil: 12 Volt, 20 Ampere, 10 Meter Leitung.

  1. Zulässiger Spannungsfall: 12 V × 3 % = 0,36 V
  2. Zähler: 2 × 10 m × 20 A = 400
  3. Nenner: 56 × 0,36 V = 20,16
  4. Querschnitt: 400 ÷ 20,16 = 19,8 mm², also 25 mm²

Dieselbe Leistung bei 230 Volt käme mit 1,5 mm² aus. Deshalb sitzen Wechselrichter und Sicherungen in Kleinspannungsanlagen immer so nah wie möglich an der Batterie.

Wann muss die Elektrofachkraft ran?

Bei jedem Eingriff in die feste Installation. Die Niederspannungsanschlussverordnung erlaubt Arbeiten hinter dem Zähler nur eingetragenen Elektrofachbetrieben. Das betrifft neue Stromkreise, den Verteilerkasten, Erdkabel zum Gartenhaus und jede Wallbox.

Diese Rechnung dient der Planung und dem Materialeinkauf. Die verbindliche Auslegung mit Schutz gegen Überlast, Kurzschluss und Fehlerstrom sowie das Messprotokoll macht die Fachkraft. Sie prüft auch die Abschaltbedingung, die bei langen Leitungen vor dem Spannungsfall zum Grenzfall wird.

Welchen Querschnitt brauche ich für eine Wallbox mit 11 kW?
Elf Kilowatt an 400 Volt bedeuten 16 Ampere je Außenleiter. Rechnerisch genügen 2,5 mm², verlegt wird meist 5 mal 6 mm², weil Wärme, Häufung und spätere Aufrüstung mitspielen.
Was bedeutet NYM 3×1,5?
NYM ist eine Mantelleitung für feste Verlegung im Trockenen. Die 3 steht für drei Adern, die 1,5 für 1,5 Quadratmillimeter Querschnitt je Ader. Draußen brauchst du NYY.
Darf ich 1,5 mm² mit 16 Ampere absichern?
Ja, das ist der Standard für Licht- und Steckdosenkreise im Haus. Voraussetzung ist eine übliche Verlegeart ohne starke Häufung und eine Leitungslänge unter etwa 18 Metern.
Rechnet man mit Aluminium anders?
Nur der Leitwert ändert sich: statt 56 setzt du 35 ein. Das Ergebnis fällt um rund 60 Prozent größer aus. Aluminium wird deshalb fast nur bei Hausanschlüssen verwendet.
Was ist wichtiger, Belastbarkeit oder Spannungsfall?
Beides muss stimmen. Du rechnest beide Werte und nimmst den größeren Querschnitt. Kurze Leitungen scheitern an der Belastbarkeit, lange fast immer am Spannungsfall.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Arbeiten an der festen Elektroinstallation nur durch eine Elektrofachkraft.

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