Ratgeber
Umbauter Raum berechnen: Bruttorauminhalt nach DIN 277
Der umbaute Raum ist das Volumen deines Hauses in Kubikmetern, gemessen an den Außenmaßen. Du rechnest jedes Geschoss einzeln: Grundfläche mal Höhe, den Dachraum mit der halben Firsthöhe.
Kurz gefasst
Multipliziere die Grundfläche nach Außenmaß mit der Höhe jedes Geschosses und addiere die Teilwerte. Ein Einfamilienhaus mit 10,00 mal 8,00 Metern, Keller, Erdgeschoss, Kniestock und Satteldach kommt so auf 662 Kubikmeter. Bei 350 bis 500 Euro je Kubikmeter ergibt das Baukosten von rund 232.000 bis 331.000 Euro.
Der Bruttorauminhalt steht im Bauantrag, in der Gebäudeversicherung und in fast jeder Kostenschätzung. Die Rechnung selbst ist einfach. Fehler entstehen fast immer an derselben Stelle: bei den Maßen und beim Dach.
Bruttorauminhalt des Beispielhauses mit 10,00 mal 8,00 Metern, Keller und Satteldach.
Gemessen wird über Putz und Fassade, nicht innen. Innenmaße ergeben rund 10 Prozent zu wenig.
Richtwert für die Baukosten je Kubikmeter BRI beim Einfamilienhaus, Stand 2026.
Wie berechnest du den umbauten Raum?
Du zerlegst das Gebäude in Bauteile und rechnest jedes für sich. Danach addierst du alles.
BRI in m³ = Grundfläche in m² × Höhe in m
Die Grundfläche misst du außen, also über Putz, Klinker oder Wärmedämmung. Genau das unterscheidet den Bruttorauminhalt von der Wohnfläche. Bei einer 36,5 Zentimeter dicken Wand mit 16 Zentimetern Dämmung liegen zwischen Innen- und Außenmaß gut einen halben Meter je Wandseite.
Die Höhen misst du von Oberkante Rohfußboden bis Oberkante des darüberliegenden Rohfußbodens. Beim untersten Geschoss beginnst du an der Oberkante der Bodenplatte, beim obersten endest du an der Oberkante der Dachhaut.
Bei verwinkelten Grundrissen teilst du die Fläche in Rechtecke und addierst sie. Anbauten mit anderer Höhe bekommen eine eigene Zeile in der Rechnung.
Was bedeuten BRI a, b und c?
Die klassische Einteilung in drei Gruppen stammt aus der älteren Fassung der DIN 277. Sie ist bis heute in Formularen und Versicherungsunterlagen verbreitet.
- Gruppe a: allseitig umschlossen und überdeckt. Das sind die Wohnräume, der Keller und das ausgebaute Dachgeschoss.
- Gruppe b: überdeckt, aber nicht allseitig umschlossen. Dazu zählen Loggien, Durchfahrten und überdachte Eingangsbereiche.
- Gruppe c: weder umschlossen noch überdeckt. Auskragende Balkone, Dachüberstände, Außentreppen und Lichtschächte gehören hierhin.
Für den umbauten Raum im engeren Sinn zählt Gruppe a. Gruppe b wird getrennt ausgewiesen, Gruppe c bleibt außen vor. Die aktuelle Fassung der DIN 277 gliedert anders. Frage deshalb immer nach, welche Fassung dein Bauamt oder deine Versicherung meint.
Wie setzt du Keller, Dachraum und Garage an?
Der Keller zählt vollständig mit, auch wenn er unbeheizt ist. Das gilt ebenso für den nicht ausgebauten Spitzboden.
Den Dachraum eines Satteldachs rechnest du als Dreiecksprisma. Der kurze Weg dorthin: Grundfläche mal halbe Firsthöhe über dem Kniestock. Bei einem Pultdach nimmst du ebenfalls die halbe Höhendifferenz, bei einem Walmdach wird es etwas weniger.
Eine integrierte Garage unter dem gleichen Dach zählt mit, wird aber getrennt aufgeführt. Der Grund ist der Preis je Kubikmeter, der dort deutlich niedriger liegt. Eine freistehende Garage bekommt einen eigenen Bruttorauminhalt und taucht in der Rechnung fürs Haus gar nicht auf.
| Bauteil | Übliche Höhe | Zählt zum BRI? |
|---|---|---|
| Keller, beheizt oder unbeheizt | 2,30 bis 2,60 m | ja, vollständig |
| Erdgeschoss | 2,75 bis 3,00 m | ja |
| Obergeschoss | 2,65 bis 2,90 m | ja |
| Kniestock im Dachgeschoss | 0,80 bis 1,50 m | ja |
| Dachraum Satteldach | halbe Firsthöhe | ja |
| Loggia, überdachter Eingang | Geschosshöhe | getrennt als Gruppe b |
| Auskragender Balkon | ohne Ansatz | nein |
| Dachüberstand, Lichtschacht | ohne Ansatz | nein |
| Freistehende Garage | 2,40 bis 2,60 m | eigener BRI |
Rechenbeispiel: Einfamilienhaus mit Satteldach
Das Haus misst außen 10,00 mal 8,00 Meter. Die Grundfläche beträgt also 80 Quadratmeter. Es hat einen Keller, ein Erdgeschoss, einen Kniestock von 1,20 Metern und ein Satteldach mit 40 Grad Neigung.
- Keller: 80 m² × 2,50 m = 200,0 m³
- Erdgeschoss: 80 m² × 2,90 m = 232,0 m³
- Kniestock: 80 m² × 1,20 m = 96,0 m³
- Firsthöhe über Kniestock: halbe Hausbreite 4,00 m × Tangens 40 Grad, also 4,00 × 0,839 = 3,36 m
- Dachraum: 80 m² × halbe Firsthöhe 1,68 m = 134,4 m³
- Summe: 200,0 + 232,0 + 96,0 + 134,4 = 662,4 m³
| Bauteil | Grundfläche | Höhe | Volumen |
|---|---|---|---|
| Keller | 80,0 m² | 2,50 m | 200,0 m³ |
| Erdgeschoss | 80,0 m² | 2,90 m | 232,0 m³ |
| Kniestock | 80,0 m² | 1,20 m | 96,0 m³ |
| Dachraum | 80,0 m² | 1,68 m | 134,4 m³ |
| Summe BRI | 662,4 m³ |
Zur Gegenprobe kannst du den Dachraum auch klassisch rechnen. Die Dreiecksfläche im Querschnitt beträgt 0,5 × 8,00 m × 3,36 m = 13,44 Quadratmeter. Multipliziert mit der Hauslänge von 10,00 Metern ergibt das dieselben 134,4 Kubikmeter.
Der Balkon an der Südseite bleibt außen vor, ebenso der Dachüberstand von 60 Zentimetern. Beides gehört zur Gruppe c.
Warum rechnen Planer je Kubikmeter?
Der Kubikmeterpreis vergleicht Häuser fairer als der Quadratmeterpreis. Ein Haus mit 3,00 Metern Geschosshöhe kostet mehr als eines mit 2,50 Metern, obwohl die Wohnfläche gleich ist. Das Volumen bildet diesen Unterschied ab.
Für unser Beispielhaus heißt das: 662,4 m³ mal 350 Euro sind rund 232.000 Euro, mal 500 Euro sind rund 331.000 Euro. Das deckt sich mit der Rechnung über die Wohnfläche, die bei etwa 115 Quadratmetern liegt.
Diese Spannen sind Richtwerte für 2026 und schwanken stark nach Region und Ausstattung. Für eine belastbare Zahl brauchst du eine Kostenschätzung nach DIN 276. Wie du dich Schritt für Schritt herantastest, steht im Ratgeber zu den Baukosten.
Welche Fehler kosten am meisten?
Drei Stellen gehen fast immer schief.
Innenmaße statt Außenmaße. Wer innen misst, verliert bei dicken Wänden schnell 8 bis 12 Prozent Volumen. Bei unserem Beispielhaus wären das über 50 Kubikmeter und damit gut 20.000 Euro in der Kostenschätzung.
Dachraum voll angesetzt. Manche rechnen den Dachraum mit der vollen Firsthöhe. Das verdoppelt den Wert. Aus 134,4 werden 268,8 Kubikmeter, das Haus wirkt plötzlich 20 Prozent größer.
Balkon und Terrassenüberdachung mitgezählt. Beide sind nicht allseitig umschlossen. Sie gehören in Gruppe b oder c und niemals unkommentiert in die Hauptsumme.
Ein letzter Hinweis: Für den Bauantrag ist die Angabe verbindlich und wird geprüft. Lass die Zahlen vom Architekten oder Bauvorlageberechtigten gegenrechnen, bevor sie in ein Formular wandern.
Ist umbauter Raum dasselbe wie Bruttorauminhalt?
Zählt der Keller zum umbauten Raum?
Wie viel BRI hat ein normales Einfamilienhaus?
Wofür brauche ich den Wert überhaupt?
Zählt eine überdachte Terrasse mit?
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Maßgeblich sind die DIN 277 in der von deinem Bauamt geforderten Fassung und die Angaben deines Planers.
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