Ratgeber
Gefälle in Prozent berechnen: Terrasse, Weg und Rinne
Höhenunterschied geteilt durch Länge mal 100 ergibt das Gefälle in Prozent. Ein Prozent sind genau 10 Millimeter Höhenunterschied je Meter Strecke.
Kurz gefasst
Faustformel: Gefälle in Prozent = Höhenunterschied ÷ Länge × 100. Umgekehrt gilt: Höhenunterschied = Länge × Prozent ÷ 100. Eine 4 Meter tiefe Terrasse mit 2 Prozent Gefälle liegt an der Außenkante 8 Zentimeter tiefer als am Haus. Für 2 Prozent legst du unter das eine Ende einer 2-Meter-Wasserwaage einen 4 Zentimeter dicken Klotz.
Gefälle klingt nach Mathematik, ist aber vor allem eine Frage von zwei Zahlen: wie lang ist die Strecke, und wie viel Höhe darf sie verlieren. Alles andere folgt daraus.
Die einzige Umrechnung, die du wirklich auswendig brauchst. 2 Prozent sind 20 Millimeter je Meter, 2,5 Prozent sind 25.
Prozent und Grad sind nicht dasselbe. Erst bei 100 Prozent liegen 45 Grad an. Im Baubereich rechnet fast alles in Prozent.
Der häufigste Fehler auf der Baustelle. Ein Gefälle Richtung Wand bringt das Wasser dorthin, wo es am meisten schadet.
Wie rechnest du Gefälle in Prozent aus?
Beide Werte müssen in derselben Einheit stehen. Rechne konsequent in Metern, dann geht nichts schief.
Gefälle in % = Höhenunterschied in m ÷ Länge in m × 100
Höhenunterschied in m = Länge in m × Gefälle in % ÷ 100
Ein Beispiel: Ein Weg ist 12 Meter lang und fällt um 30 Zentimeter. Das sind 0,30 ÷ 12 × 100 = 2,5 Prozent. Umgekehrt: Ein 12 Meter langer Weg mit 2,5 Prozent verliert 12 × 2,5 ÷ 100 = 0,30 Meter.
Die Länge ist immer die waagerechte Strecke, nicht die schräge Oberfläche. Bei den kleinen Neigungen im Garten- und Wegebau ist der Unterschied kleiner als ein Millimeter je Meter und darf entfallen. Bei Dächern sieht das anders aus, dort steht die Neigung meist in Grad: Dachneigung berechnen.
Prozent, Grad und Millimeter je Meter
Grad rechnest du über den Arkustangens: Grad = arctan(Prozent ÷ 100). Für die Praxis reicht die Tabelle.
| Gefälle | mm je Meter | Grad | auf 4 m | auf 5 m | typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|
| 0,5 % | 5 mm | 0,29° | 2,0 cm | 2,5 cm | lange Entwässerungsleitung |
| 1 % | 10 mm | 0,57° | 4,0 cm | 5,0 cm | innenliegende Rinne, Garagenboden |
| 2 % | 20 mm | 1,15° | 8,0 cm | 10,0 cm | Terrasse, Flachdach, Balkon |
| 2,5 % | 25 mm | 1,43° | 10,0 cm | 12,5 cm | Pflasterweg, Einfahrt |
| 3 % | 30 mm | 1,72° | 12,0 cm | 15,0 cm | Wege in regenreichen Lagen |
| 5 % | 50 mm | 2,86° | 20,0 cm | 25,0 cm | flache Rampe |
| 6 % | 60 mm | 3,43° | 24,0 cm | 30,0 cm | Zufahrtsrampe, Grenzwert für Rollstühle |
Welches Gefälle braucht was?
Zu wenig Gefälle lässt Pfützen stehen, zu viel wird unbequem und lässt Möbel wandern. Diese Richtwerte haben sich eingespielt:
- Terrasse und Balkon: 2 Prozent, bei sehr glatten Belägen auch 2,5
- Pflasterweg und Einfahrt: 2 bis 2,5 Prozent quer zur Laufrichtung
- Flachdach: 2 Prozent, in Kehlen und Rinnen mindestens 1
- Dachrinne: 1 bis 3 Millimeter je Meter, also 0,1 bis 0,3 Prozent
- Rasenfläche zur Drainage: 1 bis 2 Prozent
Bei ungebundenen Belägen wie Splitt oder Kies darf es eher an die obere Grenze gehen, weil das Wasser dort ohnehin versickert. Wie viel Material du dafür brauchst, steht im Beitrag Splitt berechnen.
Rechenbeispiel: Terrasse 4 mal 5 Meter
Terrasse an der Hauswand, 5 Meter breit, 4 Meter tief. Das Wasser soll vom Haus weg nach vorn laufen, Gefälle 2 Prozent über die Tiefe.
- Gefällestrecke: 4 m, die Breite spielt keine Rolle
- Höhenunterschied: 4 m × 2 ÷ 100 = 0,08 m, also 8 cm
- Höhe je Meter: 8 cm ÷ 4 = 2 cm pro Meter
- Markierungen setzen: an der Wand 0 cm, nach 1 m 2 cm tiefer, nach 2 m 4 cm, nach 3 m 6 cm, an der Vorderkante 8 cm
- Anschluss prüfen: Oberkante Belag an der Wand rund 15 cm unter der Türschwelle halten oder eine Entwässerungsrinne setzen
- Unterbau anpassen: Das Gefälle steckt in der Tragschicht, nicht erst im Splittbett. Das Bett bleibt überall gleich dick.
Achte auf den letzten Punkt. Wer das Gefälle über die Bettung ausgleicht, hat vorn 2 und hinten 10 Zentimeter Splitt. Die dicke Seite sackt im ersten Winter ab, und die Terrasse liegt wieder waagerecht.
Gefälle abstecken mit Wasserwaage und Richtscheit
Du brauchst keine Nivelliergeräte für eine Terrasse. Eine 2-Meter-Wasserwaage, ein Richtscheit und ein Klotz reichen.
Klotzdicke in cm = Länge der Wasserwaage in m × Gefälle in %
Bei 2 Metern Wasserwaage und 2 Prozent sind das 4 Zentimeter, bei 2,5 Prozent 5 Zentimeter. Leg den Klotz auf die tiefer liegende Seite unter die Wasserwaage. Zeigt die Libelle jetzt waagerecht, stimmt das Gefälle.
Bei längeren Strecken spannst du eine Schnur zwischen zwei Pflöcken. Der erste Pflock bekommt die Höhe der Oberkante, am zweiten setzt du die Marke um den berechneten Betrag tiefer. Eine Schlauchwaage hilft, wenn Ecken im Weg stehen. Kontrolliere am Ende mit dem Wasserschlauch, ob wirklich alles abläuft.
Typische Fehler beim Gefälle
- Prozent mit Grad verwechselt: Wer 2 Grad statt 2 Prozent baut, legt fast das doppelte Gefälle an.
- Gefälle erst im Belag angelegt: Die Neigung gehört in den Unterbau, sonst wird die Bettung ungleich dick.
- Nur eine Richtung geprüft: Eine Terrasse braucht ein sauberes Quergefälle, sonst läuft das Wasser in die Ecke.
- Zentimeter mit Metern gemischt: Setz beide Werte in Metern ein, dann kann die Formel nicht kippen.
- Ablauf vergessen: Ein Gefälle ohne Ziel schiebt das Wasser nur an die nächste Stelle. Plane Rinne, Kiesstreifen oder Sickerfläche mit.
Und ein Punkt, den viele unterschätzen: Setzungen. Frisch geschütteter Unterbau sackt im ersten Jahr um wenige Millimeter, an den Rändern mehr als in der Mitte. Bau deshalb lieber am oberen Rand der Richtwerte, also 2,5 statt 2 Prozent. Diese Reserve kostet auf 4 Metern gerade 2 Zentimeter zusätzliche Höhe und rettet die Fläche, wenn sich hier und da etwas setzt.
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Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Angaben ohne Gewähr · Die genannten Neigungen sind übliche Richtwerte, maßgeblich sind die Verlegeanleitung des Herstellers und die Planung vor Ort.
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