Ratgeber

Regenrinne Größe berechnen: Nenngröße und Fallrohr

Nimm die wirksame Dachfläche in Quadratmetern, multipliziere sie mit der örtlichen Regenspende und teile durch 10.000. Das Ergebnis in Litern je Sekunde führt dich direkt zur passenden Rinnengröße.

Kurz gefasst

Ein Satteldach mit 120 Quadratmetern Grundfläche entwässert je Traufseite 60 Quadratmeter. Bei einer Regenspende von 300 Litern je Sekunde und Hektar fallen dort 1,8 Liter je Sekunde an. Dafür reicht eine halbrunde Rinne der Nenngröße 280 mit einem Fallrohr DN 87.

Eine zu kleine Rinne läuft bei Starkregen über und nässt die Fassade ein. Eine zu große kostet unnötig Geld und sieht am Haus schwer aus. Die Rechnung dazwischen hat drei Schritte.

Faustformel: Regenabfluss in l/s = wirksame Dachfläche in m² × Regenspende in l/(s·ha) ÷ 10.000. Beispiel: 60 m² Dachfläche bei einer Regenspende von 300 ergeben 60 × 300 ÷ 10.000 = 1,8 Liter je Sekunde. Damit landest du bei Nenngröße 280 und Fallrohr DN 87.
1,8 l/s

Regenabfluss je Traufseite beim Beispielhaus mit 120 Quadratmetern Grundfläche.

NG 280

Passende halbrunde Rinne dafür, im Handel auch als achtteilige Rinne bezeichnet.

10 bis 12 m

Rinnenlänge, ab der ein zweites Fallrohr sinnvoll wird, unabhängig von der Fläche.

Wie groß ist deine wirksame Dachfläche?

Entscheidend ist nicht die schräge Dachfläche, sondern ihre Projektion in der Waagerechten. Regen fällt senkrecht, deshalb zählt der Grundriss.

Bei einem Satteldach mit 12,00 mal 10,00 Metern sind das 120 Quadratmeter. Jede Traufseite bekommt die Hälfte, also 60 Quadratmeter. Die tatsächliche Dachfläche ist größer, für die Entwässerung spielt das aber keine Rolle.

Grenzt eine höhere Wand an das Dach, kommt Wasser von dort dazu. Nach DIN EN 12056 rechnest du die halbe Fläche dieser Wand zur Dachfläche hinzu.

Wirksame Dachfläche = Grundrissfläche + halbe Fläche angrenzender Wände

Eine 12,00 Meter lange und 4,00 Meter hohe Nachbarwand hat 48 Quadratmeter. Die Hälfte davon sind 24 Quadratmeter, die auf der betroffenen Traufseite dazukommen.

Was ist die Regenspende?

Die Regenspende beschreibt, wie stark es an deinem Ort regnen kann. Angegeben wird sie in Litern je Sekunde und Hektar. Üblich ist der Wert r(5,5), also ein fünf Minuten langer Regen, der statistisch alle fünf Jahre auftritt.

RegionRichtwert r(5,5)Grenzfläche für NG 280
Küste, Norddeutsche Tiefebene200 bis 260 l/(s·ha)rund 92 bis 120 m²
Mitteldeutschland, Mittelgebirge250 bis 300 l/(s·ha)rund 80 bis 96 m²
Süddeutschland, Voralpenland300 bis 400 l/(s·ha)rund 60 bis 80 m²
Alpenrand und Starkregengebieteüber 400 l/(s·ha)unter 60 m²

Das sind Richtwerte zur Orientierung. Verbindlich ist der ortsgenaue Wert aus dem KOSTRA-Datensatz des Deutschen Wetterdienstes. Dein Installateur oder das Bauamt ruft ihn für deine Adresse ab.

Wie viel Wasser fällt tatsächlich an?

Jetzt kommen beide Zahlen zusammen. Ein Hektar hat 10.000 Quadratmeter, deshalb steht diese Zahl im Nenner.

Regenabfluss in l/s = wirksame Dachfläche × Regenspende ÷ 10.000

Bei harten Dächern wie Ziegel, Blech oder Bitumen fließt praktisch alles ab. Ein Gründach hält dagegen einen Teil zurück, dort darfst du mit einem geringeren Abflussbeiwert rechnen.

Welche Rinnengröße passt dazu?

Halbrunde Rinnen werden nach der Breite des zugeschnittenen Blechs benannt. Nenngröße 280 heißt also: aus einem 280 Millimeter breiten Streifen gekantet. Im Handel heißen dieselben Rinnen oft sechsteilig, siebenteilig oder achtteilig.

NenngrößeHandelsnameFallrohrMax. DachflächeAbfluss bei r = 300
NG 2006-teiligDN 75rund 30 m²0,90 l/s
NG 2507-teiligDN 75rund 55 m²1,65 l/s
NG 2808-teiligDN 87rund 80 m²2,40 l/s
NG 33310-teiligDN 100rund 130 m²3,90 l/s
NG 40012-teiligDN 120rund 200 m²6,00 l/s

Die Flächen in der Tabelle gelten für eine Regenspende von 300. Liegt dein Wert höher, rechnest du um: Grenzfläche mal 300 geteilt durch deinen Wert. Bei r gleich 400 schrumpfen die 80 Quadratmeter der NG 280 also auf 60.

Kunststoffrinnen tragen andere Bezeichnungen. NW 100 entspricht etwa der NG 250, NW 125 der NG 333 und NW 150 der NG 400.

Rechenbeispiel: Satteldach mit 120 m² Grundfläche

Das Haus steht in Mitteldeutschland, die Regenspende beträgt 300 Liter je Sekunde und Hektar. Der Grundriss misst 12,00 mal 10,00 Meter, das Dach hat 40 Grad Neigung.

  1. Grundrissfläche: 12,00 × 10,00 = 120 m²
  2. Je Traufseite: 120 ÷ 2 = 60 m²
  3. Angrenzende Wände: keine, also bleibt es bei 60 m²
  4. Regenabfluss: 60 × 300 ÷ 10.000 = 1,80 l/s
  5. Rinne: NG 250 schafft 1,65 l/s und reicht nicht, NG 280 schafft 2,40 l/s
  6. Ergebnis: halbrunde Rinne NG 280 mit Fallrohr DN 87

Jetzt die Variante mit einem Anbau an der Nordseite. Dort steht eine 12,00 Meter lange und 4,00 Meter hohe Wand.

  1. Wandfläche: 12,00 × 4,00 = 48 m²
  2. Anrechenbar: 48 ÷ 2 = 24 m²
  3. Wirksame Dachfläche: 60 + 24 = 84 m²
  4. Regenabfluss: 84 × 300 ÷ 10.000 = 2,52 l/s
  5. Ergebnis: NG 333 mit Fallrohr DN 100 auf dieser Seite

Die 40 Grad Dachneigung tauchen in keiner Zeile auf. Für die Wassermenge zählt nur der Grundriss.

Welchen Fallrohrdurchmesser brauchst du?

Das Fallrohr muss mindestens so viel schaffen wie die Rinne. Die Paarungen in der Tabelle sind der übliche Weg: DN 75 zu kleinen Rinnen, DN 87 zur NG 280, DN 100 zur NG 333.

Ein zu schlankes Fallrohr staut das Wasser in der Rinne zurück. Dann läuft sie über, obwohl die Rinne selbst groß genug wäre. Im Zweifel gehst du beim Rohr eine Nummer hoch, nicht bei der Rinne.

Achte außerdem auf den Übergang in die Grundleitung. Der Kanalanschluss und ein möglicher Rückstauverschluss gehören in die Planung des Fachbetriebs.

Wann brauchst du zwei Fallrohre?

Zwei Gründe sprechen dafür. Der erste ist die Fläche: Reicht die größte sinnvolle Rinne nicht, teilst du die Entwässerung auf.

Der zweite ist die Länge. Eine Rinne hat nur wenige Millimeter Gefälle je Meter. Ab etwa 10 bis 12 Metern Rinnenlänge braucht das Wasser zu lange bis zum Ablauf. Dann setzt du an beide Enden ein Fallrohr.

Bei einem Haus mit 15 Metern Traufenlänge ist das der Normalfall. Jede Hälfte entwässert dann rund 7,5 Meter, und du kannst die Rinne eine Nummer kleiner wählen.

Wichtig: Die Werte hier führen dich zur richtigen Größenordnung. Die verbindliche Bemessung erfolgt nach DIN 1986-100 und DIN EN 12056-3 mit dem ortsgenauen Regenwert. Bei Flachdächern kommt eine Notentwässerung dazu. Lass das von einer Fachkraft prüfen, bevor du bestellst.
Welche Rinne brauche ich für ein Dach mit 100 m² Grundfläche?
Bei zwei Traufseiten entwässert jede 50 Quadratmeter. Mit einer Regenspende von 300 sind das 1,5 Liter je Sekunde, also NG 250 mit Fallrohr DN 75.
Zählt die schräge Dachfläche oder der Grundriss?
Der Grundriss, also die waagerechte Projektion. Regen fällt senkrecht, deshalb ändert die Neigung die Wassermenge nicht. Für Ziegel und Kosten zählt dagegen die Schrägfläche.
Wie finde ich die Regenspende für meinen Ort?
Über den KOSTRA-Datensatz des Deutschen Wetterdienstes. Installateure, Planer und viele Bauämter haben Zugriff darauf und nennen dir den Wert für deine Adresse.
Was passiert bei einer zu kleinen Rinne?
Sie läuft bei Starkregen über. Das Wasser trifft die Fassade und den Sockel, dort entstehen Feuchteschäden und Algen. Auch der Rinnenhalter wird stärker belastet.
Ist eine größere Rinne immer besser?
Nicht unbedingt. Sie kostet mehr, wirkt am Haus wuchtiger und braucht kräftigere Halter. Eine Nummer Reserve ist sinnvoll, zwei Nummern sind meist Verschwendung.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Maßgeblich sind DIN 1986-100, DIN EN 12056-3 und die Angaben des Rinnenherstellers.

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